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Bachelorpräsentation 09.04.2018

Am Montag den 09.04. haben Paul und Lukas ihre Bachelorarbeit mit dem Entwurf und der Konzeptplanung zur Schulerweiterung in Umlyngka präsentiert.

Prof. Jacob Van Rijs und Prof. Eike Roswag waren als Kritiker geladen. Es ist gab eine angeregte Diskussion über das Entstandene.




Der indische Bundesstaat Meghalya erhebt sich nördlich des Flachlands Bangladeschs in eine atemberaubende Berglandschaft die geprägt ist von üppigen Grün, unzähligen Wasserfällen und heftigen Regenfällen.

Die angenehmen gemäßigten Temperaturen und die Landschaft sind der Grund warum es zum Zufluchtsort für viele indische Erholungssuchenden wurde.



Die heiße Luft aus der bengalischen Ebene trifft auf die kalte Bergluft des Himalayas. Es regnet überall und fast jeden Tag. Somit ist der Regenschirm, die Gummisandalen und die hochgekrempelte Hose zur Grundausstattung der Bevölkerung geworden.Es regnet im Jahr durchschnittlich 6x mehr als in Berlin, im Juni sogar 16x mehr.





Die Eva Spring of Knowledge School liegt im Bundesstaat Meghalaya etwa eine halbe Stunde mit dem Auto von der Bundeshauptstadt Shillong entfernt. Sie bildet mit einigen kleinen Läden und an einer Straßenkreuzung das Zentrum des kleinen
Straßendorfes Umlyngka. Durch Landflucht und Zersiedeln ist die Gegend an der Schwelle zwischen Urban und Rural. Noch immer leben die meisten Menschen in Umlyngka von der Landwirtschaft. Dies jedoch in abnehmendem Maße. Vermehrt suchen gerade junge Menschen eine Arbeit in der Stadt. Eine gute Schulbildung ist der Grundstein dafür.

Mit einem Bevölkerungswachstum von beinahe 30 % in den letzten 10 Jahren ist der Nordosten Indiens gleichzeitig eine der am schnellsten wachsenden Gegenden des Landes.

Die Eva Spring of Knowledge School füllt also eine Lücke auf dem Weg junger Menschen zu einem Arbeitsplatz und damit zu einer sicheren Zukunft. Ein großer Teil des indischen Schulsystems ist in privater Hand, so auch die Eva Spring of Knowledge School. Jedoch gibt es hier starke Unterschiede. In ihrem Angebot richtet sich die Schule gezielt an die ländliche Bevölkerung, da das Schulgeld gering ist und Zahlungsengpässe gemeinsam überbrückt werden.



Das Grundstück liegt am Hang während der vordere Teil noch leicht ansteigt ist der hintere Teil steil und teilweise dicht bewachsen. Die bisherigen Bestandsgebäude bilden ein kleines Ensemble aus drei Häusern, in denen 10 Klassenräume untergebracht sind. Sie stehen um einen Hof herum der, wie ein Marktplatz das Zentrum der Schule bildet.

Eine Schule im klassischen Sinne ist eine Hybrid zwischen öffentlichem Gebäude und Hülle, die die Privatsphäre schützt. Für jeden zugänglich erleben wir im Heranwachsen eine intensive Zeit in ihr, ständig auf dem schmalen Grad zwischen von jedem gesehen werden wollen und sich am liebsten wegzaubern können. Einen Raum für diese komplexen Anforderungen zu entwerfen ist eine besondere Herausforderung. Um die räumlichen Bedürfnisse zu Systematisieren haben wir uns an den fünf Sozialformen des Unterrichts orientiert. Das lernen als Plenum in der gesamten Gruppe, Frontalunterricht, Gruppenarbeit, Partner- und Einzelarbeit. Die Möglichkeit sich in diesen Formen zusammen zu finden braucht es unserer Meinung nach während des Unterrichts, aber auch in den Zeiten dazwischen.

Unser Entwurf ist ein sich neu erfinden und gleichzeitig ein sich anschmiegen an das Bestehende. Ohne das vorgefundene obsolet werden zu lassen, wagen wir eine Neuordnung für den gesamten Campus. In seiner Entwicklung haben sich der Neubau und der Bestand gegenseitig befruchtet. So orientiert sich der Maßstab der
neuen Bebauung an der bereits bestehenden. Gleichzeitig wird die konstruktive Systematik der neuen Klassenräume auch in der Umwandlung des Bestandes angewendet.




Die neuen Klassenräume bilden durch Verschiebung von und gegeneinander verschieden große Räume aus. Hier entsteht bewusst nicht ein großer Hof, sondern ein Geflecht an räumlichen Situationen in denen die SchülerInnen in unterschiedlichen Gruppengrößen und mal mehr und mal weniger prominent ihre
Pausen verbringen können. Hierzu inspiriert hat uns der Bestand, der bereits ähnliche Qualitäten aufwies.



Die Gemeinschaftsflächen ziehen sich also um die Klassenräume herum. An einigen Stellen sind diese auch überdacht, sodass auch bei Regen ein Aufenthalt im trockenen möglich ist.


Die Klassenräume sind neben den Sanitären Anlagen die einzigen umschlossenen Räume, die wir neu bauen. Der geringe Platz um das Raumprogramm unterzubringen erfordert einen bewussten und effizienten Umgang mit dem Gebauten und Unbebauten. So ermöglicht es uns die Konstruktion die Wandflächen mit zusätzlichen Funktionen zu belegen. Wir nennen diese Doppelbelegung zwischen Konstruktion und Funktion eine „Fuktionswand“. Hier sind Fenster- und Türelemente genauso vorgesehen, wie Regale, eine Trinkwasserfilteranlage und eine Sitzbank für den Gemeinschaftsbereich. So werden die Klassenräume schon durch ihren Bau mit allem ausgestattet, was sie zum funktionieren brauchen. In ihrer Gestaltung zeichnen sich die Klassenräume vor allem durch ihre Introvertiertheit aus. Neben gezielten Öffnungen sorgt ein Fensterband oberhalb der geschlossenen Wände für die ausreichende Versorgung mit Tageslicht. Die Wände sind so horizontal in zwei Zonen gegliedert, die trotz einer für ein öffentliches Gebäude normalen Raumhöhe in einem angemessen Verhältnis zum Maßstab der Kinder stehen.


Die überdachten Außenräume dienen als Pausenfläche, Gemeinschaftsraum und zusätzliche Unterrichtsfläche. Hierbei sollte nicht das Bebaute, sondern das Unbebaute im Vordergrund stehen. Freiraum und direkter Bezug zur Umgebung sollte gefördert werden um die Kreativität der Nutzer anzuregen. Das entstandene Raster ermöglicht zudem individuelle Anpassungen. So könnten Ergebnisse aus den Partizipationsworkshop zu Beginn der Summerschool direkt umgesetzt werden.




„Gummistiefel und Regenschirm“
Die Klassenräume ähneln in ihrer Konstruktion einem Festivalbesucher. An den Füßen trägt er Gummistiefel, damit diese trocken bleiben. Oben jedoch hat er keine Regenjacke an, sondern trägt einen Regenschirm, der ihn vor dem Wasser schützt. Bei den Klassenräumen werden die Gummistiefel durch einen Betonsockel ersetzt dieser hebt die gesamte Konstruktion aus dem feuchten Bereich. Hier anschließend gibt es eine leichte Holzkonstruktion an dessen oberen Ende sich ein Wellblech Dach, unser Regenschirm, befindet.



Die Wände aller Räume haben als tragende Struktur eine Holzfachwerk- Konstruktion. Meghalaya ist eines der größten Holzanbaugebiete Indien und kann so auf eine lange Tradition im Umgang mit Holz zurück blicken. Die kurzen Seiten aller neuen Räume werden mit Lehmbewurf ausgefacht. Hier greifen wir eine fast vergessene Bauweise auf. Heute ist der Bewurf mit Lehm durch den Bewurf mit Zementmörtel oder Beton ersetzt worden.


„Ein Wachstum entlang der Bedürfnisse“
Um eine Realisierung bei laufendem Betrieb möglich zu machen und um gleichzeitig keinen Raum zu bauen der noch keine Nutzung erfahren würde, haben wir ein Dreiphasen-Modell entwickelt. In der ersten Phase werden mit dem unteren Stück der Regenrinne drei Klassenräume gebaut. Zusätzlich erneuern wir die sanitären Anlagen. Diese sind gleich so dimensioniert, dass sie auch der letzten Ausbaustufe genügen werden. In der zweiten Phase erweitern wir die Regenrinne. An diese schließen wir weitere vier Klassenräume an. Dies bietet uns dann in der letzten Phase die Ausweichfläche bei dem Bestand die Dächer höher zu setzen und Räume zusammen zu legen.



So wächst die Eva Spring of Knowledge School entlang ihrer Bedürfnisse zu einem Campus. In den weiteren Phasen werden wir uns Stück für Stück zurück ziehen, sodass am Ende dieses Prozesses die Gemeinschaft vor Ort in der Lage ist bei Bedarf ihre Schule selbstständig in Stand zu setzten und zu Erweitern.